In der dicht besiedelten Innenstadt von Tshwane/Pretoria zeigen sich, wie in vielen großen Metropolen, rasante gesellschaftspolitische Entwicklungen mit weitreichenden Konsequenzen für die dort lebenden Menschen. Politischer und wirtschaftlicher Wachstum, begleitet von Abwanderung der Wohlhabenden in die neu gebauten und als „sicher“ geltenden Vorstädte, stehen hier neben Zuwanderung und wachsender Verelendung der als „unsicher“ geltenden Innenstadt.
Die Hoffnung auf bezahlte Arbeit und bessere Lebensbedingungen hält den Zuzug vieler Menschen aus ländlichen Gebieten Südafrikas und anderen afrikanischen Staaten aufrecht. Doch Wohnraum ist teuer und Arbeitsverhältnisse sind rar, die Besiedelung der Innenstadt wird immer dichter, die Lebensbedingungen verschlechtern sich zunehmend.
Dass sich in einem der mehrstöckigen Wohnkomplexe bis zu zehn Personen einen kleinen Raum oft ohne eigenes Bad und Küche teilen, ist hier keine Seltenheit. Wer sich auch das nicht leisten kann, baut aus alten Pappen und Blechen in den maroden, zumeist an Schnellstraßen gelegenen Vierteln der Stadt einen Unterschlupf, nächtigt in ausgeschlachteten Autowracks oder schläft unter freiem Himmel. Wer kein gesichertes Arbeitsverhältnis oder eine bezahlte Anstellung findet, betreibt Straßenhandel, sammelt Wertstoffe jeglicher Art oder versucht auf anderem Wege ein Minimum an Einkommen zu erwirtschaften. Dienstleistungen und Waren werden zu Kleinstbeträgen am Straßenrand und auf Kreuzungen zwischen wartenden Autos angeboten. Das so eingenommene Geld reicht kaum, um eine einzige Person davon zu ernähren. Staatliche Unterstützung in Form von finanziellen Zuwendungen ist für einen Großteil der Bevölkerung unzugänglich. Vor allem Personen aus anderen Staaten, die sich ohne offizielle Papiere im Land aufhalten, sind ohne Aussicht auf legale Arbeitsverhältnisse und ohne Anspruch auf staatliche Hilfe. Doch auch für viele Südafrikanerinnen und Südafrikaner bleiben die bürokratischen Hürden staatlicher Unterstützung ohne Hilfe oftmals zu hoch und unüberwindbar.
Armut, Elend und Krankheit tragen neben zerschlagenen Hoffnungen häufig zum Zusammenbruch der familiären Strukturen bei. Inner- und außerfamiliäre Gewalt, Prostitution, Obdachlosigkeit sowie Drogenabhängigkeiten werden zu alltäglichen Bedingungen und Erfahrungen. Krankheiten – insbesondere HIV-Infektion und AIDS-Erkrankungen – verschärfen die desolaten Lebensbedingungen vieler Menschen, und der Krankheitsverlauf wird wiederum durch diese verschärft. Wer kann, der geht. Häufig sind es Frauen und Kinder, die allein zurückbleiben. Und immer häufiger sind es nur noch Kinder, die als Waisen zurückbleiben oder die häuslichen Gewaltstrukturen mit denen der Straße eintauschen.
Die Folgen sind für viele katastrophal. Unterkunft, tägliches Essen, Bekleidung, Gesundheit und nicht zuletzt körperliche Unversehrtheit sowie Fürsorge und Bildung werden zu einem Luxus, der für wachsende Bevölkerungsgruppen kaum erreichbar ist. Es sind diese Lebensbedingungen, aus denen viele Erwachsene allein keinen Weg mehr finden, und Kinder darin allein und auf sich gestellt gelassen werden.
In dieser Situation ein Überleben zu ermöglichen und neue Perspektiven zu schaffen ist die Aufgabe, der sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von PEN verschrieben haben.




